NORDSEE-ZEITUNG Bremerhaven, 21.01.2004 |
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Kreuzliner
mit Kurs auf Balkonien |
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Arbeiten an der „Costa Victoria“ schreiten voran – Pasta in Werftkantine Für Italiener gehört ein gutes Essen zu den wichtigen Dingen im Leben. Deshalb gibt’s als Service zum Umbauauftrag die Werftkantine gratis dazu. Auf der „Costa Victoria“ bleibt die Küche kalt. Dafür fliegen beim Lloyd rund um die Uhr die Funken. 242 Kabinen und 4 Minisuiten erhalten fast 7 Jahre nach der ersten Reise Balkone. Arbeit für Tischler, Metallbauer, Rohrschlosser, Elektriker, Schiffbauer – bis zu 800 Menschen beschäftigt das Schiff, „ein Umbaujob, wie wir ihn lieben“, sagt Projektleiter Rolf Ludemann. Im August klingelte am Kaiserhafen das Telefon. Costa. „Wir haben da eine Idee, guckt mal, ob das möglich ist.“ Denn noch nie waren einem Kreuzliner nachträglich Balkone an den Rumpf gehängt worden. „Eine Woche haben wir gebraucht, dann stand der Preis und die Bestätigung, dass wir das können“, sagt Ludemann. „In 28 Tagen.“ Fünf Mal sei die „Costa Victoria“ vorher in Italien im Dock gewesen, aber ein Konzept für den außergewöhnlichen Umbau, mit dem die Reederei Costa Corciere nicht den Anschluss an die Urlaubstrends auf den Weltmeeren verlieren möchte, habe keine andere Werft entwickeln können. „Sehr zulieferintensiv“ sei der Auftrag, sagt Ludemann. In 32 Sektionen standen die Balkone schon fertig an Land, als die „Costa“ ins Dock schwamm. Kaum haben die Schneidbrenner eine Reihe Löcher in die Bordwand geschnitten, hängen die Balkone davor, „es folgen der Türrahmen, die Tür, dann die Isolierung, Rohrschlosser, Elektriker und die Tischler mit den Wand- und Deckenpaneelen“, sagt Ludemann. „Einer läuft dem anderen hinterher.“ 144 der Kabinen müssen wegen der Balkone auch innen komplett umgebaut werden, das ganze Schiff erhält außerdem neue Teppiche und das Buffetdeck einen Fußboden, der aussieht wie Teakholz, tatsächlich aber zehn Millimeter starker Kunststoff ist. Das Unterwasserschiff wird gestrahlt und neu gestrichen, 2200 Quadtratmeter Teakholz auf dem Sonnendeck werden aufgearbeitet, und am Rumpf stehen Stahlreparaturen an. Gearbeitet wird in drei Schichten und an jedem Tag der Woche, „bei den Balkonen sind wir unserem Plan anderthalb Tage voraus“, sagt Ludemann. An Bord kennt er noch jeden Winkel. „Eigentlich“, sagt er im Laufschritt auf dem Sonnendeck, „haben wir damals gute Arbeit abgeliefert.“ Als der Vulkan-Verbund mitten im Ausbau der „Costa Victoria“ in die Knie ging, brachte die Lloyd Werft den Job zu Ende. Nach der Übergabe blieb Ludemann drei Monate lang für die Werft an Bord. In einer Woche will er die erste Kabine abschließen – fix und fertig mit Gardinen an den Wänden, danach sollen jeden Tag 32 Stück folgen. Mit den Arbeiten auf der „Costa“ macht die Lloyd Werft ihrem Namen als weltweiter Umbauspezialist wieder alle Ehre. „Wir hatten schon Besuch von anderen Reedereien aus der Carnival-Gruppe“, sagt Ludemann. „Wir versprechen uns Folgeaufträge.“ Nur der Kapitän der „Costa“, ein italienischer Commandante, war skeptisch ob der Balkone. „Mein schönes, schlankes Schiff...“, soll er gesagt haben. Aber als er ein paar Tage später zum Pasta-Buffet für die 300 Crewmitglieder in die Werftkantine eilte, drehte er sich um und meinte: „Ist doch schön geworden.“ |
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