NORDSEE-ZEITUNG Bremerhaven ,
22.11.1999
"Was ist das für
ein schönes Schiff"
Hunderte Schaulustige verfolgen an der
Nordschleuse die Ankunft der "Queen Elisabeth 2"
Die Fahrkarte um die Welt reicht bis ins Dock der Lloyd Werft. Dort liegt seit gestern die "Queen Elizabeth 2", und Nazan Boberka ging nach vier Monaten von Bord. "Hallo" und "Juhu" rief sie, als das Schiff in die Nordschleuse einlief. Ihr Gruß galt nicht den Hunderten Schaulustigen, sondern ihrer Familie: Endlich zu Hause.
Nazan Boberka aus Düsseldorf wird von ihrer Schwester und den Eltern abgeholt. Sie recken ein kleines Transparent in die Dunkelheit: "Herzlich willkommen" steht darauf, aber auch sonst ist die "Queen" ein willkommener Gast. Mehrere 100 Menschen harren bei eisigem Wind und Regenschauern an der Nordschleuse und auf dem Container-Aussichtsturm, die Polizei sperrt die direkten Zugänge zur Kaje, als das 293 Meter lange Schiff auf der Weser auftaucht.
Einen solchen Andrang hat der Überseehafen lange nicht mehr erlebt, aber die "Q2" ist ja auch ein besonderes Schiff. "Ich war schon drauf", erzählt jemand, "beim letzten Umbau". 1999 war das, auch in Bremerhaven. Andere schwelgen in Erinnerungen an die Zeit, als beinahe jeden Tag ein Ozeanliner an der Columbuskaje lag. Die "Q2" gilt mit der "Norway", die noch bis zum 28. November in der Werft liegt, als letzte Zeugin der Epoche eleganter Passagierschiffe. Zwei Frauen unterhalten sich darüber, auf welchen Schiffen ihre Männer schon gearbeitet haben. Stolz klingt in ihren Stimmen mit. Der Festmacher an der Schleuse schreit es aus seinem Unimog heraus: "Was ist das für ein schönes Schiff." Und Mutter Boberka wundert sich darüber, wie groß es doch ist: "Im Internet sieht das viel kleiner aus." Ihre Tochter hat erst im Restaurant gearbeitet, nun steht sie hinter der Rezeption.
Die "Queen Elizabeth 2" bleibt bis zum 8. Dezember bei der Lloyd Werft und wird für rund 19 Millionen Mark überholt. Im Januar beginnt in New York die nächste Weltreise. Die 100 Tage dauernde Fahrt nach Westen folgt dem Lauf der Sonne einmal um die Erde. Nazan Boberka fährt mit. Ihrer Familie hätte sie gerne einmal ihren Arbeitsplatz gezeigt, aber die Reederei Cunard hat in den letzten Monaten die Sicherheitsvorkehrungen stark verschärft. Besucherkarten werden nicht einmal an die nächsten Angehörigen ausgegeben. Die Werftarbeiter, die an Bord zu tun haben, müssen sich gleich dreimal ausweisen: Der erste Ausweis bestätigt, dass sie bei der Lloyd Werft beschäftigt sind, der zweite, dass sie in den Cunard-Auftrag eingebunden sind, und der dritte zählt, wann sie aufs Schiff gehen und wann sie es wieder verlassen. Nazan Boberka ist gestern am späten Abend die Gangway hinuntergelaufen. bro