HAMBURGER ABENDBLATT, 04.05.2004

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Die "Königin" auf Stippvisite

Die „Queen Elizabeth 2“ liegt jetzt für 18 Tage in der Bremerhavener Lloyd Werft.

Bremerhaven - Sonntagabend, 21 Uhr, Nordschleuse Bremerhaven zwischen Weser und dem Hafen der Stadt: Die "Queen Elizabeth 2 (QE2)" steuert Kurs Lloyd Werft und erreicht zwei Stunden später ihr Dock. Die "Queen" macht für 18 Tage Station bei der Werft, die sie schon 1986 umbaute und damit ihren Ruf als Spezialist für komplizierte Aufträge mitbegründete. Damals hatten die Schiffbauer in rund 180 Tagen die Maschine des 1967 gebauten Schiffes der Cunard-Reederei demontiert, neue Dieselmotoren durch den Schornstein in den Rumpf gehoben und sie installiert.

Dieses Mal geht es neben Klassearbeiten, an dem nach Vorschriften von Lloyd's Register gebauten Schiff, um Verbesserungen im Hotelbereich sowie an der Maschine. "Die Arbeiten sind über das ganze Schiff verteilt", sagt Werft-Chef Werner Lüken. 15 Millionen Euro ist der Auftrag wert, etwas mehr noch als die Arbeiten an der 1995 von der Meyer Werft in Papenburg abgelieferten "Oriana", die P & O Cruises gehört. Auch dieser Kreuzfahrer ist für Umbauten an der Maschine, an einem Deck, bei Geschäften an Bord und an einem Restaurant bei der Lloyd Werft. Auf der "Oriana" soll jedoch bereits am 6. Mai alles fertig sein.

Beide Aufträge sollen Lüken und seiner 500-köpfige Belegschaft aus den finanziellen Schwierigkeiten heraushelfen, in die sie durch das Kentern des Kreuzfahrers "Pride of America" am 14. Januar geraten sind. Die Werft wurde damals zahlungsunfähig, Wolfgang van Betteray aus Düsseldorf zum Insolvenzverwalter bestimmt. "Nun sind wir in guten Gesprächen mit der Reederei NCL und 64 Versicherern", sagt Lüken. Sein Ziel: die Reparatur des für 2200 Pasagiere aus gelegten, 280 Meter langen Kreuzfahrers in Bremerhaven zu halten und das Schiff auch auf der Lloyd Werft fertig zu bauen. "Wir sind derzeit dabei, die Teile auszubauen, die durch das Wasser gelitten haben, um so den Schaden zu minimieren", sagt Lüken.

Voraussichtlich noch im Mai soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Dann muss van Betteray versuchen, sich mit den Gläubigern zu einigen. Zu ihnen gehören weit mehr als 100 Zulieferer, vor allem aus Bremen und Niedersachsen. Gelingt die Einigung, könnte die Werft aus der Insolvenz herausgeführt werden. Lüken ist optimistisch.

Dafür gibt es Gründe. Denn die Werft hat schon wieder weitere Umbauaufträge gebucht. So werden bis zum Herbst mehrere Containerfrachter ihre Docks in Bremerhaven anlaufen. Und eine mehrmonatige Auslastung gilt bei Reparaturwerften bereits als lang. dpa/rz