SCHIFFAHRT INTERNATIONAL, Heft 9/2001
Die Lloyd-Werft in Bremerhaven hat die britische Fähre "Norsun" umgebaut zu einem besonderen Schiff, Horst Schreiber konnte sich an Bord umsehen
P & O setzt auf Komfort
Die Bremerhavener Lloyd-Werft gilt weltweit als Spezialist für komplizierte und schnelle Passagierschiffsumbauten. Mit dem Ausbau der "Norsun" von P & O North Sea Ferries von einem reinen Fährschiff zu einer Erlebnisfähre in nur sieben Wochen hat sie jetzt ein weiteres Meisterstück geliefert.
Die ehemals niederländische Reederei North Sea Ferries, seit Ende 1996 Tochterunternehmen der Peninsular & Oriental Steam Navigation Company (P&O) in London, geht im Fährverkehr von und nach England in eine Offensive. Das Unternehmen bemüht sich auch, den Tunnelbetreiber als Konkurrenten in die Schranken zu weisen. Jetzt gilt es, sich gegenüber der Konkurrenz über Wasser zu behaupten. Der Konkurrenzkampf wird demnächst noch härter werden, wurde bei einem Gespräch an Bord des Schiffes betont. Zum Beispiel macht die griechische Reederei Superfast ernst und will in den Fährverkehr nach Großbritannien einsteigen.
Das derzeitige Konzept bei P & O setzt auf Komfort, weg von der reinen Beförderung des Gastes hin zu einer Kurzstrecken-Erlebnis-Seereise. Dafür hat die Reederei zwei neue Kreuzfähren bei der italienischen Fincantieri-Werft bestellt, von denen die erste, die "Pride of Rotterdam", bereits ihren Dienst auf der Route Rotterdam - Hull aufgenommen hat. Das zweite Schiff für diese Linie, die "Pride of Hull", soll im Dezember folgen. Die beiden älteren Einheiten "Norsun" und "Norsea" wurden nach diesem Konzept für die Route Zeebrügge - Hull adäquat ausgebaut. Zunächst kam im Juli die jetzt fertiggestellte "Norsun" in Fahrt, Anfang kommenden Jahres folgt dann die "Norsea". Sieben Mio. £ hat das Unternehmen für die Umbauten bereitgestellt.
Für den Ausbau der "Norsun" war die wegen ihrer Qualitätsarbeit und Termintreue bekannte Bremerhavener Lloyd-Werft "die" Adresse bei P & O. Nach den Plänen des britischen Schiffsarchitekten Barry Finnegan, der bereits seit zehn Jahren für die britische Gesellschaft arbeitet und jetzt auch ein einheitliches Erscheinungsbild für das Interieur der vier künftigen Komfortfähren der Gesellschaft entworfen hat, wurden alle Kabinen des "grünen" Decks auf dem Schiff, welches bisher das Deck für die Economy-Klasse und den Schlafsesselbereich war, gegen neue Komfort-Kabinen mit individuell regulierbarer Klimaanlage und großzügigen Nasszellen (mit Dusche, Waschbecken und WC) ausgetauscht.
Neu geschaffen wurden ein á la carte-Restaurant mit 80 Sitzplätzen und eine Weinbar. Das vorhandene Buffet-Restaurant (Platz für 464 Passagiere) ist komplett modernisiert worden. Mit viel Licht, hellen Farben und Holz hat der Architekt auf ausdrücklichen Wunsch der Reederei ein Wohlgefühl geschaffen, welches nicht nur den konservativen Geschmack der englischen Gäste sondern auch den der Festlands-Europäer trifft. Zusammen mit den bereits früher renovierten Decks und öffentlichen Bereichen wie vornehmen Lounge Bars, einer stilvollen Pianobar, Casino, Café, Kino, eleganten Shops und einem vielseitig ausgestatteten Kinderspielbereich hat die "Norsun" damit ein Erscheinungsbild bekommen, das sie zusammen mit dem auf den Überfahrten gebotenen Life-Unterhaltungsprogramm zu einem Erlebnis werden lässt, wie es Passagiere eines guten Kreuzfahrers nicht besser haben können. Darin war sich das zur ersten Überfahrt von Zeebrügge nach Hull am 2. Juli geladene Fachpublikum einig.
Lorens P. Keip, Hotel Services Direktor von P & O ließ es sich bei dieser Gelegenheit auch nicht nehmen, den Mitarbeitern der Lloyd-Werft für die erbrachte Leistung und ihre Flexibilität zu danken. Denn Flexibilität war bei dem Ausbau gefordert, weil insbesondere die neuen Kabinen nicht wie sonst bei Umbauten üblich, an Land komplett vorgefertigt werden konnten, sondern wegen der Konstruktion der "Norsun" mit zahlreichen Stützen an Bord zusammengesetzt werden mussten. Mehrere von der Reederei noch in letzter Minute zusätzlich gewünschte Änderungen und Ergänzungen wurden im gesetzten Zeitrahmen von den Bremerhavenern prompt und zur vollsten Zufriedenheit von P&O ausgeführt. Für die Tochter P&O North Sea Ferries ist klar, dass auch der noch ausstehende Umbau des Schwesterschiffes "Norsea" in Bremerhaven bei der Lloyd-Werft zur vollsten Zufriedenheit erfolgt.