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SONNTAGSJOURNAL der NORDSEE-ZEITUNG Bremerhaven , 25. November 2001

Der wichtigste Werbeträger
Lloyd Werft hat viele Klippen umschifft

Bremerhaven (zol). Eine sichere Zukunft trotz widriger Umstände - so sieht Lloyd-Werft-Geschäftsführer Werner Lüken die Lage des Schiffbau- und Reparaturbetriebs, der seit fast 140 Jahren in der Seestadt existiert und damit die älteste tätige Werft der Stadt ist. "Bei Umbauten und Reparaturen haben wir weltweit einen einmaligen Platz, den uns so leicht keiner nehmen kann", meinte Lüken.

Während des Lüken-Vortrags im Rahmen der Sonderausstellung "180 Jahre Schiffbau. Portraits der Werften an Geeste- und Wesermündung" im Historischen Museum betonte Museumschef Alfred Kube, man könne in Bremerhaven stolz sein auf einen solchen Betrieb. Die Lloyd Werft sei "zurzeit der wichtigste Werbeträger der Stadt".

Dabei gab es in der fast anderthalb Jahrhunderte langen Firmengeschichte mehrmals gefährliche Klippen, und auch die Anfänge waren bescheiden, erläuterte Lüken. Die Bremerhavener Werkstatt wurde 1862, fünf Jahre nach der Gründung des Norddeutschen Lloyd, als "Zweit-Etablissement" errichtet und galt den Bremern stets nur als "Reparaturschuppen", obwohl er von Anfang an größer war als die Bremer Einrichtung.

Gut hundert Jahre später wäre die Lloyd Werft dann fast gestrandet, nachdem sie 1984 an den Vulkan-Konzern verkauft worden war - "ohne uns vorher zu fragen", wie Lüken sagte. Allerdings gelang es den Bremerhavener Spezialisten, mit Hilfe eines Vergleichs durch die Klippen der Vulkan-Pleite zu schippern, wobei Vergleichsverwalter Wolfgang van Betteray eine herausragende Rolle spielte. Wichtig seien in dieser Zeit aber auch die guten Kontakte zu den Kunden gewesen, ebenso wie die Bereitschaft der Beschäftigten, bei Löhnen und Arbeitszeiten große Zugeständnisse zu machen.

Was bis heute den Ruf der Lloyd Werft prägt, konnte Lüken mit einer Reihe prominenter Schiffsnamen kennzeichnen - "Norway", "Queen Elizabeth II", "Costa Victoria", "Norwegian Sky", und "Norwegian Sun". Auch die drei spektakulären Verlängerungen großer Passagierschiffe sorgten weltweit für Aufsehen. "Die Konkurrenz ist hart", schmunzelte Lüken, "und wir müssen immer eine Nasenlänge voraus sein."

In der aktuellen Lage ist die Nachfrage nach Neubauten oder Umbauten von Passagierschiffen laut Lüken "sehr stagnierend". Aber man habe in den vergangenen Jahren vorgesorgt - keine Schulden, eine Erhöhung des Firmenkapitals und Investitionen in Millionenhöhe. Außerdem verfüge die Werft über eine Belegschaft, "mit der man Pferde stehlen kann", über "starke Partnerfirmen" und über ein schlankes Management, "wo jeder mit Hand anlegt" - gute Voraussetzungen also für "große Chancen auch in Zukunft". ...

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