NORDSEE-ZEITUNG, 04.01.2007

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"Schlickkratzer" lässt seine Muskeln spielen - Lloyd Werft setzt ersten Neubau seit 1959 ins Wasser

Überseehäfen (cb). Er ist klein und hässlich, aber ganz schön stark: der neue „Schlickkratzer“ von Bremenports. Wenn man die Zahlen nur richtig deutet, dann wird der Zwerg sogar zum Riesen – kräftiger als die kolossale „Queen Mary 2“.

„Das ist ein richtiges Kraftpaket“, sagt Rüdiger Pallentin, Chef der Lloyd Werft, während die „Hol Blank“ hinter ihm am Haken eines Schwimmkrans durch den Kaiserhafen schwebt. Wenn das Schiff in ein paar Wochen fertig ist, werden 1000 Kilowatt allein die drei Propeller antreiben, 800 weitere die beiden Pumpen. Macht zusammen 1800 Kilowatt (oder 2450 PS). Das ist mehr, als die riesige „Queen Mary 2“ für all ihre Antriebsmotoren, Fritteusen und Nachttischlampen zur Verfügung hat – „jedenfalls pro Tonne Schiffsgewicht“, rechnet Pallentin vor und grinst beinahe triumphierend.

Es ist eben alles eine Frage der Betrachtungsweise. Dirk Rosenbaum, 1.Offizier des Schwimmkrans „Enak“, bemüht sich um einen unverstellten Blick auf die ganze Angelegenheit. Mal mit dem nötigen Abstand, mal mit der Hand direkt an der baumelnden Fracht, instruiert er von Land aus über Funk die Crew an Bord, wie sie das 280-Tonnen-Baby im Gleichgewicht halten soll. Fieren, hieven, mit dieser Winde oder jener oder gleich mit dem ganzen Ausleger – so lässt „Enak“ den Neuling langsam zu Wasser.

Und wie ein Papierschiff, das von einem kleinen Jungen auf den Dorfteich gesetzt wird, macht sich „Hol Blank“ sofort auf und davon, kaum dass sie schwimmt – sachte angeschoben vom kräftigen Südwestwind. „Enak“ tutet, der Schlepper an seiner Seite auch – freundliche Begrüßung für den Neubau, der endlich in seinem Element ist. Dann kommt eine Achterleine geflogen und beendet die erste Reise der „Hol Blank“.

„Sieht quadratisch, praktisch, gut aus, steckt aber eine Menge Technik drin“, sagt Thorsten Beiler, Betriebsleiter der Lloyd Werft. „Hol Blank“ ist ein Wasserinjektionsgerät. Es soll einmal dafür sorgen, dass kein Schiff in Bremerhaven unversehens auf Schlick sitzt. Aus kräftigen Düsen kann „Hol Blank“ Wasser in den Schlick spritzen und diesen ordentlich aufwühlen – noch in 21 Metern tiefe. Am Besten funktioniert das draußen vor der Stromkaje – dort trägt die Strömung der Weser den aufgewirbelten Schlick davon.

Für die Reparatur- und Umbauspezialisten der Lloyd Werft ist die „Hol Blank“ zwar ein kleiner Fisch – und doch ein ganz besonderer Auftrag: der erste Neubau seit 1959, der komplett auf der eigenen Werft abgewickelt wird, vom ersten Stahlblech bis zum letzten Lichtschalter. Im Februar soll die „Hol Blank“ an den Auftraggeber Bremenports übergeben werden.